"Manchmal, heimlich haben wir uns in der Pause geküsst."

Doch nun lebt Theo nicht mehr und seine kleine Freundin kann ihre Trauer kaum in Worte fassen. Marlene ist 8 Jahre alt und vermisst ihren Freund und Mitschüler. Vor allem fehlt ihr seine Art, sie zu trösten und wie er immer alle aufmuntern konnte. 
Eine ganze Schulklasse ist geschockt über den plötzlichen Tod. Es gab keine Möglichkeit einer Verabschiedung, keine Vorbereitung auf das, was da kam. 
Nun sitze ich hier in der Schule, um mit den Schülern und Lehrern über Theo, den Tod und das Traurigsein zu reden. 

Im Klassenraum gibt es einen Erinnerungstisch. Fotos, gemalte Bilder, Briefchen, Plüschtiere, Kerzen. So kann ich mir ein gutes Bild von Theo machen. Ich lasse mir von den Kindern erzählen, was und wie er war und nach kurzer Zeit weiß ich, wer ihn mochte, wer ihn blöd fand, wer ihn küsste. 
Aber alle sind sich einig: es muss einen richtigen Abschied für Theo geben. Wir sammelten Ideen und Vorschläge, planten und organisierten. 
2 Wochen später sollte es dann soweit sein. Die Schulklasse, einige Schüler von anderen Klassen, Lehrer und Theos Eltern fanden sich zum Abschiednehmen in der Schule ein. 
Mit einem großen Stein im Gepäck fuhr auch ich wieder in die Schule. Der Stein wurde von den Schülern bemalt und fand später im "Erinnerungsbeet" seinen Platz. Am Erinnerungsbeet wurde Musik gespielt, dafür wurde extra ein Keyboard in den Hof gebracht, es wurde gesungen und es gab sogar eine Rede. 
Dann ließ jeder einen Luftballon in den Himmel steigen, mit Grüßen und Wünschen für Theo. Wie besprochen gab es danach ein Buffett mit allen Lieblingsspeisen von ihm. So saßen wir bei Milchschnitte, Tomaten, Ferdiwürstchen und Spekulatius und jeder hatte noch mindestens eine Geschichte über ihn zu erzählen. Da uns das Wetter sehr gütig war, gab es zum Abschluss eine Partie Fußball - Theos liebstes Hobby. 

Es gab viele Tränen, aber es wurde auch gelacht und vor allem haben sich alle erinnert und verabschieden können. Der Abschied ist so wichtig in der Trauerverarbeitung. Auch und vor allem für Kinder. Manchmal neigen Erwachsene dazu, Kinder davor beschützen zu wollen. Diese Schulklasse hat sehr viel Glück, dass sie so tolle Lehrer hat. Lehrer, die keine Angst hatten, sich damit auseinander zu setzen, die mich um Hilfe gebeten haben. Am Ende des Tages sind alle erschöpft, aber mit einem Gefühl von Dankbarkeit und Zuversicht nach Hause gegangen.

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