Ich sitze im Hospiz auf dem Bett eines sterbenden Papas. Ein junger Papa mit einer 9 jährigen Tochter. Lisa ist heute nicht hier. Letzte Woche hat sie ihren Papa, nach 5 Wochen, das erste Mal wieder gesehen. Sie hatte schlimme Angst zu ihm zu gehen und doch hat sie ihre Angst, nach unserem ersten Treffen, überwunden. Aber auch jeder weitere Besuch verlangt ihr sehr viel Mut und Stärke ab. Darum sitze ich heute nur mit der Mama hier.
Letzte Woche hat Jens mir lange aus seinem Leben erzählt und wie vor 1,5 Jahren die Krebsdiagnose alles verändert hat. 
Seit fast 14 Tagen ist er nun im Hospiz und er weiß, dass der Tod schon vor seiner Tür lauert.
Was ist noch wichtig in solch einem Moment? Was beschäftigt einen Menschen, dessen verbleibende Zeit eng begrenzt ist? 
Über das Wetter von morgen reden wir zumindest nicht. 
Wir sprechen über seine Angst, wie es für seine Frau und seiner Tochter ohne ihn weiter geht. Auch über seine Angst, vergessen zu werden. Aber auch darüber was unmittelbar nach seinem Tod geschehen wird. 
Seine Frau möchte gern, dass Jens nach seinem Tod noch einmal nach Hause gebracht wird, damit sie als Familie in Ruhe und ihrem Tempo Abschied nehmen können - er fühlt sich mit dem Gedanken wohl und niemand von uns findet das eine komische Idee. Er will, wenn auch unter großer Kraftanstrengung, noch einen Brief an seine Tochter schreiben. Wir werden auch noch einen Fingerabdruck nehmen, aus dem dann ein Schmuckstück gefertigt werden soll. 
Er wünscht sich eine Erdbestattungen und gemeinsam haben wir überlegt was er im Sarg für Kleidung tragen möchte, welches seiner Kopfkissen und welche Decke ihn "wärmen" wird. Wir haben darüber gefachsimpelt ob seine Eisenbahnsammlung lieber verkauft oder als Erinnerung zu Hause verbleiben soll..........................
Ein sehr lebendiges Gespräch über das Sterben und den Tod, mit so manchen witzigen Momenten, Lachern und Pfannkuchen. 
Aber das Wichtigste, nun gibt es einige genaue Anweisungen, Wünsche und Vorstellungen die ausgesprochen sind und das ist für alle tröstlich und hilfreich, denn unvorhersehbare Dinge wird es genug geben, da ist es gut wenn es wenigstens ein paar feste Anker gibt an denen sie sich festhalten können. 
Nächste Woche haben wir noch einmal einen Besuch mit Lisa und seiner geliebten Katze geplant. Die Katze ist nicht nur wichtig für ihn, sondern auch eine große Stütze für die Kleine. 

Mein Herz ist in 2 Teile geteilt als ich das Hospiz verlasse. Die eine Hälfte ist traurig, erschöpft und nachdenklich. Die andere Hälfte ist dankbar, glücklich und stolz. 
Papa Jens, ich hoffe wir sehen uns nächste Woche wieder.................!

Wenn das Sterben in das Leben platzt! Oder das Leben in das Sterben?

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