Trauer muss nicht zwingend schwarz sein

Die kleine, heute 4 jährige Laura lebt nun schon über ein Jahr ohne ihre Mama. Diese ist im letzten Mai an einer Tumor-Erkrankung gestorben. 
Lauras Papa ist seitdem über sich hinausgewachsen. Er ist 9 Monate nicht arbeiten gegangen, um sich voll und ganz um seine Tochter zu kümmern. Eine bessere Trauerbegleitung hätte er ihr nicht bieten können. Er war immer für sie da, in jedem Moment des Trauerprozesses. Hat sie getröstet, gehalten, gekuschelt, erklärt und so vieles mehr. Doch er wollte ganz sicher gehen, dass es Laura auch wirklich gut geht und hat sich Anfang des Jahres an Wolfsträne gewandt. So lernte ich die Beiden - ein tolles Team - kennen. Es folgten einige Einzelbegleitungen, in denen ich Laura und auch den Papa immer besser kennenlernen durfte. Dieses tolle Team meistert seinen Alltag ganz wunderbar. Laura ist diejenige gewesen, die ihrem Papa gesagt hat, sie müssten doch jetzt mal in den Urlaub fahren - ein paar Tage später saßen sie im Flugzeug Richtung Mallorca. Sie ergänzen sich auf so großartige Weise. Und doch sitzt der Papa manchmal vor mir und meint traurig, dass er ja ganz viel für und mit Laura machen kann, aber er doch hin und wieder an seine Grenzen stößt, wenn es um „Frauenkram“ geht. Zum Beispiel Zöpfe flechten - das lässt Laura nur von Frauen machen, seine Zöpfe rupft sie sofort wieder raus oder lässt es gar nicht erst zu. 
Oder, wenn Laura zum Beispiel seine Nägel lackieren möchte, dann passt er. Und manchmal ist auch das Trauerbegleitung - Laura lackiert dann eben mir die Fußnägel. Jeden in einer anderen Farbe und ist so stolz auf ihr buntes Ergebnis. Genauso stolz ist sie dann auf den Stein, den sie für ihre Mama bemalt hat, auch ganz bunt und mit jeder Farbe, die ihr zur Verfügung stand. Diesen Stein bringen wir beim nächsten Mal zur Mama auf‘s Grab. 
Dann werden wir wie die bunten Hunde los stiefeln, Laura mit ihrem bunten Stein und ich mit meinen bunten Nägeln - denn die finde ich so schön, dass sie diesen Sommer einfach immer bunt bleiben. 
Wir machen uns eben die Trauer und die Welt so bunt, wie sie uns gefällt!

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